Genau wie bei der Scherenschleiferei ein Laden, dessen Schaufenster nie umdekoriert wurde,
erzählte mir kürzlich ein alteingesessener Sülzer. Auch die Preise habe man nie
geändert und man bekam nur was man brauchte. Die anderen wollen auch noch was, soll man
zur Antwort bekommen haben, wenn man die gewünschte Menge etwas pauschal für die eigene Vorratshaltung
angegeben hatte.
Letzteres will ich auch gern glauben, zumal ich mich gut erinnere, wie ich an meinem allerersten Abend in Sülz, als ich Ende 1998
nach Köln zurückgezogen war, versuchte eine Stange Zigaretten am Kiosk hier ums Eck zu erstehen und zur Antwort bekam,
daß man leider nur noch eine Stange habe und die sei für die Kunden. Ein oder zwei Schachteln könne
ich aber gern mitnehmen. ;-)
Ansonsten kursieren um diesen Eisenwarenladen, den ich selbst ja nie geöffnet erlebte,
eine Menge Gerüchte, von denen sicher eine Menge bereits in die Schublade der urban legends gehört.
So dürfte die Pappschachtel für die CD-Rom kaum seit 1875 zur Schaufensterdekoration gehören und zwar ebenso
wenig, wie das mit dem Einband nach außen geöffnet aufgestellte Buch in der Mitte des rechten Schaufensters,
über das man auch im linken Schaukasten einiges lesen kann, oder aber unter dem folgenden Link zum Archiv der
Kölner Stadtrevue: Wahre Wunder.
Derzeit scheint der Eisenwarenladen eine Art ständig geschlossenes Privatmuseum zu sein, welches unterschiedlichen
Gerüchten zufolge, sowohl die Stadt Köln erhalten wolle respektive die teilweise noch im Haus wohnenden Kinder, sowie
der Autor des leider vergriffenen Fotobuches. Letzterer hingegen scheint zumindest zuweilen in Galerien fernab von Sülz über das
Projekt Eisenwarenladen zu berichten. Dabei habe ich den Eindruck, daß nicht nur ich, sondern auch viele andere Sülzer gern wüßten
um was es denn eigentlich genau geht und wie es um dieses Projekt denn steht. Jedenfalls war auch das ein großes Thema unter den Gästen zur 100-Jahr-Feier
des Klettenbergparks. Doch niemand wußte was und alle schienen gleich merkwürdig gelähmt, diesbezüglich etwas herauszubekommen, geschweige denn sonstwie initiativ
zu werden.
Und natürlich ist das auch bei einer jeden Veedelsführung Thema mit schon sehr nebülösen Andeutungen.
Aber es gab da vor einigen Jahren einen Artikel im KStA, erzählte mir kürzlich eine Sülzerin und den habe ich mir soeben aus dem Archiv geholt. Dort heißt es
am 15.11.2001 u.a.:
"Wer in Sülz eine Schraube locker hatte, ging bei Bosen einkaufen. Vor 20 Jahren trat Eusebius Wirdeier erstmals durch die Ladentür - zunächst nur zum Einkaufen,
später dann mit Kamera und Stativ. "Es gibt viele Dinge, die noch aus der Zeit der Geschäftsgründung stammen. Hier wurde aus Prinzip nichts weggeworfen",
sagt Wirdeier, der sich jetzt dafür einsetzt, das Inventar des Geschäfts in ein Museum zu überführen. Eine Idee, mit der sich auch Marianne Marpert, die Tochter
von Agnes und Edmund Bosen, anfreunden kann.
"Früher habe ich das Geschäft nie für etwas Besonderes gehalten, weil ich damit aufgewachsen bin. Aber es ist schon eine absolute Seltenheit in der heutigen
Zeit", sagt Marianne Marpert. Nägel mit Köpfen können bei dem Museumsvorhaben derzeit noch nicht gemacht werden. Die Bergung des Inventars könnte nach Auskunft
von Michael Euler-Schmidt, stellvertretender Leiter des Stadtmuseums, bis zu einer halben Million Mark kosten. "Der Laden sollte 1:1 im Museum wieder aufgebaut
werden. Im Stadtmuseum haben wir hierfür keinen Platz mehr."
Noch schöner wäre imho ja eine Restaurierung des Gebäudes vor Ort, welches sodann als Eisenwarenmuseum in der Marsiliusstrasse zugänglich
wäre. Nur dürfte das noch einiges mehr kosten. Vielleicht knack ich ja einen größeren Lotto-Jackpot? Oder absolut jeder Sülz-Klettenberger
spendet so um die 20 Euro. Dann also ... ;-)